3 TRAINER ENTHÜLLEN WELCHE 17 FITNESS-MYTHEN DIR MEHR SCHADEN ZUFÜGEN ALS DASS SIE GUT TUN

Sport-Mythen gibt es wie Sand am Meer. Mit Sit-Ups zum Sixpack, mit Cardio zur Traumfigur — viele vermeintliche Fitness-Tipps werden euch in Wirklichkeit nicht helfen, eure Ziele zu erreichen. Einige können sogar schädlich für eure Gesundheit sein.

Der größte Mythos von allen: Es gibt nur die eine richtige Art zu trainieren. 

Business Insider USA hat drei professionelle Fitnesstrainer vor laufender Kamera darum gebeten, 17 der häufigsten Fitness-Mythen aufzuklären. Ihre Antworten wurden in einem Video festgehalten.

Wir haben das Video für euch transkribiert und übersetzt.

Mythos 1: Muskeln verwandeln sich in Fett, wenn sie nicht trainiert werden

Sean Kuechenmeister: Einer der häufigsten Mythen, die ich höre, ist, dass Muskelgewebe in Fett umgewandelt wird, wenn es nicht trainiert wird. Es ist wirklich wichtig zu erklären, dass Muskelgewebe Muskelzellen hat und dass Fettgewebe Fettzellen hat. Sie sind nicht untereinander austauschbar. Es ist keineswegs chemisch oder physikalisch möglich, dass Muskelgewebe in Fett oder Fett in Muskeln umgewandelt wird.

Mythos 2: Es ist besser, morgens zu trainieren

Kuechenmeister: Das hängt wirklich von euren Zielen ab. Morgens auf leerem Magen zu trainieren ist förderlicher für den Fettabbau. Wenn ihr aufwacht, befindet ihr euch bereits in diesem Fasten-Zustand.

Sprecher: Und das bedeutet …

Kuechenmeister: Der Körper verbraucht sich im Grunde genommen selbst. Also geht er an den Fettspeicher. Er geht an die Muskeln. Das ist der Zeitraum, in den ihr euer Training legen solltet, wenn euer Ziel ist, an Gewicht zu verlieren und schlanker zu werden.

Sprecher: Aber …

Kuechenmeister: Im Hinblick auf die Effektivität des Trainings im Allgemeinen glaube ich nicht, dass es tatsächlich eine Rolle spielt. Ihr müsst nur darauf achten, dass ihr, wenn ihr nachts trainiert, nicht tagsüber übermüdet seid. 

Mythos 3: Dehnen vor dem Sport beugt Verletzungen vor

Kuechenmeister: Wenn die meisten Leute an Dehnübungen denken, denken sie an statisches Dehnen. Man begibt sich in eine bestimmte Position, man hält diese Position und das Ziel ist es, die Beweglichkeit zu steigern. Das Problem dabei ist, dass es wirklich sehr auflockern kann. Wenn nach dieser Art zu dehnen etwas dynamisches, ballistisches oder kraftbasiertes folgt, hat man nun ein lockeres Gewebe oder ein lockeres Gelenk und man kann nicht so viel Kraft entwickeln. Es könnte auch dazu führen, dass man sich verletzt, weil man nicht so viel Stabilität hat.

Mythos 4: Man kann an spezifischen Stellen abnehmen

Stern: Einer meiner Favoriten sind die Feiertage, wenn man diese Tante oder diesen Onkel hat, die so etwas sagen wie: „Ja, ich versuche, nur genau hier abzunehmen“ und sie fangen an, sich in den unteren Bauch zu kneifen. Ich denke mir: „Oh, super, man kann nicht nur an einer ausgesuchten Stelle abnehmen.“ Die gute Nachricht ist, dass es auch nicht andersherum funktioniert. Es ist nicht so, dass, wenn ich einen Cheeseburger esse, er direkt an meiner rechten Hüfte ansetzt.

Mythos 5: Cardio verbrennt Fett

Sprecher: Und wenn ihr versucht, euren Körperfettanteil zu reduzieren, dann ist Cardio nicht die beste Methode dafür.

Kuechenmeister: Cardio verbrennt kein Fett, Cardio verbrennt Kalorien. Wenn es also euer Ziel ist, Gewicht zu verlieren, müsst ihr im Kaloriendefizit sein. Um in dieses Kaloriendefizit zu kommen, ist es hilfreich, Cardio-Übungen zu machen. Aber wenn ihr nicht auf eure Ernährung achtet oder wenn ihr eure Kalorienzufuhr nicht kontrolliert und nicht dafür sorgt, dass ihr in diesem Defizit seid, könnt ihr so viel Cardio machen, wie ihr wollt — ihr könnt eine schlechte Ernährung nicht umgehen.

Sprecher: Zu viel Cardio kann tatsächlich etwas Schlechtes sein.

Kuechenmeister: Wenn ihr nur Cardio macht, mit dem Ziel, Gewicht zu verlieren, könnte es passieren, dass ihr euer Muskelgewebe abbaut. Wenn ihr also jetzt fettfreies Muskelgewebe verliert, könnt ihr tatsächlich euren Stoffwechsel verlangsamen, eure Knochendichte verringern und schwächer werden. Das ist der Grund, warum ich der Meinung bin, dass dieser Mythos möglicherweise der gefährlichste und schädlichste für die allgemeine Bevölkerung ist.

Sprecher: Aber es ist vielleicht nicht so verbreitet wie der nächste Mythos…

Mythos 6: Muskeln sind schwerer als Fett

Kuechenmeister: Den liebe ich. Ein Mythos, den ich die ganze Zeit höre, ist, dass Muskeln mehr wiegen als Fett. Ein Kilo Ziegelsteine wiegt genauso viel wie ein Kilo Federn. Es ist also nicht so, dass Muskeln mehr wiegen als Fett. Vielmehr ist es so, dass Muskeln dichter sind als Fett.

Mythos 7: Die Waage zeigt eure Fortschritte an

Kuechenmeister: Im Bezug auf den Muskelaufbau könntet ihr also auf der Waage an Gewicht zulegen. Die Waage ist nicht unbedingt der beste Indikator für Fortschritte, wenn wir versuchen, unser Aussehen zu verbessern. Oftmals ist es anfangs so, dass ihr Muskeln entwickelt und die Waage euch anzeigt, dass ihr schwerer seid. Aber im Laufe der Zeit werdet ihr verstehen, dass ihr mit der wachsenden Anzahl an mageren Muskeln die Kalorienanzahl erhöht, die pro Tag im Ruhezustand verbrannt wird. Das ist eine langfristige, nachhaltige Veränderung in eurem Körper, im Kontrast dazu, ausschließlich Cardio-Übungen zu machen, in ein Kaloriendefizit überzugehen und zu hungern.

Mythos 8: Frauen werden massiger, wenn sie Gewichte heben

Sprecher: Selbstverständlich ist der Muskelaufbau nicht nur etwas für Männer.

Mason: Frauen denken, dass ihr Körper massiger wird, wenn sie anfangen zu trainieren. Und wenn das die Optik ist, auf die ihr hinarbeiten wollt, dann ist das meiner Meinung nach eine tolle Sache. Weil ihr etwas tut, was ihr tun wollt. Aber wenn ihr für euer allgemeines Wohlbefinden und eure Gesundheit trainiert, möchte ich nicht, dass ihr Angst davor habt, schwere Gewichte zu heben. Ihr werdet von Natur aus nicht massiger.

Sprecher: Tatsächlich ist das Gewichtheben besonders für Frauen sehr wichtig.

Mason: Mit zunehmendem Alter werden wir anfälliger für Osteoporose. Wir müssen also unbedingt Widerstandstraining betreiben, bei dem unsere Muskeln diese Stimulation spüren, damit die benachbarten Knochen stark bleiben können.

Mythos 9: Krafttraining erfordert ein Fitnessstudio

Sprecher: Ihr braucht eigentlich gar keine Gewichte, um Kraft aufzubauen. Egal, ob ihr männlich oder weiblich seid.

Stern: Der Mythos, dass man fürs Krafttraining ins Fitnessstudio gehen muss, ist verrückt. Der Körper ist ein Gewicht. Übungen mit dem eigenen Körpergewicht gibt es schon lange und sie sind so wichtig. Den Körper nach oben zu drücken oder zu ziehen und Bauchpressen oder Kniebeugen machen zu können.

Mythos 10: Crunches verhelfen euch zu einem Sixpack

Sprecher: Wenn ihr ein Sixpack wollt, dann sind die Muskeln an sich nicht einmal so wichtig.

Mason: Bei einem Sixpack geht es nicht darum, Unmengen von Crunches zu machen. Vieles davon hat mit eurer Ernährung zu tun.

Sprecher: Und Stern stimmt dem zu.

Stern: Bauchmuskeln werden in der Küche gemacht. Die Bauchmuskeln sind ein Muskel. Wenn ihr den Muskel durch Crunches, Beinheben, Fahrrad-Crunches und Bauch-Twists beansprucht, baut ihr den Muskel hauptsächlich auf. Ihr könnt euch das so vorstellen: Ihr baut den Motor des Autos und das Äußere ist euer Körperfett. Und was muss man tun, um das Innere des Autos sichtbar zu machen? Ihr müsst das Körperfett reduzieren.

Mythos 11: Je mehr Schweiß fließt, desto besser das Training

Kuechenmeister: „Viel zu schwitzen bedeutet, dass du ein wirklich gutes Training hast“ ist etwas, das ich die ganze Zeit höre. Leider ist das auch nicht wahr. Einige Menschen sind von Natur aus anfälliger fürs Schwitzen. Einige Menschen haben nur geringaktive Schweißdrüsen. Es bedeutet also, dass euer Filtersystem intakt ist, aber es spiegelt nicht unbedingt die Wirksamkeit eures Trainings wider.

Sprecher: Aber wenn man viel schwitzt, wie sollte man das wieder ausgleichen?

Mythos 12: Sportgetränke sind die beste Lösung, um den Körper wieder mit Flüssigkeit zu versorgen


Kuechenmeister:
 Ich würde nicht sagen, dass die meisten kommerziellen Sportgetränke die effizienteste Art sind, euren Körper nach einem Workout wieder mit Flüssigkeit zu versorgen.

Sprecher: Aber mit gewöhnlichem Wasser wird es auch nicht funktionieren.

Kuechenmeister: Wenn ihr nur Wasser trinkt, ist das auch nicht die effektivste Art der Hydration, denn Flüssigkeit ist nicht nur Wasser. Es gibt auch Spurenelemente, die als Elektrolyte fungieren, die bei der Nervenleitung, bei der Gehirnfunktion und bei der Muskelkontraktion helfen.

Sprecher: Was ist also, wenn ihr nach der besten Art sucht, die Flüssigkeit in eurem Körper wieder aufzustocken?

Kuechenmeister: Es könnte sehr hilfreich sein, nur eine kleine Prise rosa Himalaya-Meersalz ins Wasser zu geben. Das Himalaya-Meersalz enthält über 60 Spurenelemente, die alle von Natur aus im menschlichen Schweiß vorkommen. Wenn man sich also so etwas wie das Getränk Gatorade oder Powerade näher anschaut, findet man dort nur vier oder fünf verschiedene Elektrolyte in der Mischung. Sie versagen also drastisch in Bezug auf die allgemeine Flüssigkeitszufuhr, wenn es um all die Mineralien in eurem Körper geht.

Mythos 13: Man sollte sofort nach dem Training Proteine zu sich nehmen

Sprecher: Und nach einem Training solltet ihr auch sofort Eiweiß essen, richtig? Wenn man bereits eine eiweißreiche Ernährung hat, muss man sich nicht so sehr darum sorgen, direkt nach dem Training einen Eiweißshake zu trinken.

Kuechenmeister: Was euch allerdings fehlen wird, besonders wenn ihr anaerobe Übungen macht, ist Glykogen. Glykogen gibt dem Körper Energie. Und die kommt in Form von einfachen Kohlenhydraten und Zucker. Deshalb ist es nach dem Training wichtig, diesen Glykogenspeicher wieder aufzufüllen.

Mythos 14: Keine Pausen machen

Sprecher: Aber selbst wenn ihr die Muskeln mit der richtigen Ernährung unterstützt, brauchen sie trotzdem genügend Pausen.

Stern: Hashtag #NoDaysOff. Der alte Mythos, dass wir uns keinen freien Tag nehmen sollten, ist extrem. Es ist sehr wichtig, den Muskel regenerieren zu lassen. Jedes Mal, wenn ihr das tut — lasst uns zu den Bizepscurls kommen — wenn ich ein Bizepscurl mache, entsteht ein kleiner Riss in meinem Bizeps, woraufhin sich der Körper selbst regenerieren wird. Weil er, nochmal, eine Maschine ist und weiß, wie man überlebt. Und wenn ich es kontinuierlich tue, habe ich kein Zeitfenster für den Körper, für die Soldaten, um einzuspringen und zu sagen: „Alles klar, lasst uns diesen Riss reparieren“, da er einfach ständig belastet wird. Also braucht er diese Auszeit, um sich selbst zu heilen.

Sprecher: Besonders, wenn man Muskelkater hat.

Mythos 15: Muskelkater ist gut

Das ist auf jeden Fall ein Mythos. Muskelkater ist der Abbau von Muskelgewebe. Es sind die Stoffe, die bei diesem Abbau freigesetzt wurden. Es ist kein Indikator für „Oh, ich werde stärker“ oder „Oh, ich werde schwächer“. Aber wenn der Schmerz länger als 72 Stunden anhält, könnte das ein Zeichen dafür sein, dass ihr euch zu wenig erholt oder zu viel trainiert.

Mythos 16: Nach einem Monat sieht man große Erfolge

Ein Monat reicht nicht aus, um ein Leben voller schlechter Gewohnheiten wiedergutzumachen. Es ist also wichtig, langsam zu beginnen, Dinge zu entdecken, die man genießt, die körperlichen Aktivitäten zu finden, die einem ein gutes Gefühl geben und das zur täglichen Gewohnheit werden zu lassen.

Mythos 17: Es gibt gute und schlechte Trainings

Sprecher: Und es gibt keine einheitliche Vorgehensweise.

Mason: Es gibt nicht die eine Bewegungsform, die man machen sollte und die besser ist als die andere. Wenn ihr also gerne tanzt, geht raus und tanzt. Geht dreimal pro Woche tanzen oder macht einen Tanzkurs oder etwas, das euch in Bewegung hält. Wenn ihr gerne auf dem Trampolin springt, dann tut das. Ich finde, die beste Bewegung für jeden ist etwas, das ihm Spaß macht. Denn der einzige Weg, wie man sich daran hält, dass sein Training für einen Menschen zum Lebensstil wird, ist, dass man etwas tut, das einem Spaß macht.