ENDLICH HORMONFREI VERHÜTEN

Die NIEWINTER Community vereint eine neue Generation an Opinion Leaders, Kreativen und Influencern, die uns mit ihren Arbeiten aufgefallen sind, die uns inspirieren und mit denen wir ab sofort eng zusammen arbeiten werden. Deshalb gibt es an dieser Stelle in Zukunft einiges von unseren Community-Mitgliedern zu lesen. In diesem Artikel von Jules Vogel erzählt Julia über ihre Entscheidung ihren Körper vor unnötigen Hormonen zu schützen und ihre Erfahrung mit der Kupferspirale.

Ich war 15, zum ersten Mal bei einer Frauenärztin und wusste über Verhütung nur das, was man in den Schulbüchern liest oder von den Eltern mitbekommt. Die Empfehlung meiner Ärztin und die gesellschaftliche Konvention haben dazu geführt, dass ich, ohne groß darüber nachzudenken, anfing die Pille zu nehmen. Zu keinem Zeitpunkt hatte mir jemand gesagt, was die Hormone mit meinem jungen Körper anrichten werden und dass man auch hormonfrei verhüten könnte.

Heute möchte ich euch von meinen Erfahrungen, meiner persönlichen Einstellung und meinem Weg zu einer Verhütung ohne Hormone erzählen. Bevor ich allerdings beginne, muss ich sagen: ich bin keine Ärztin und kann euch auch nicht sagen, was die beste Option für euch ist. Jeder Körper ist anders, jeder reagiert anders auf Hormone und natürlich gibt es auch viele Menschen, die mit der Pille, oder hormoneller Verhütung generell, besser zurechtkommen, als ich. Alles, was ihr lesen werdet, sind persönliche Erfahrungen und Eindrücke und spiegeln nur meine Meinung wider. Wenn ihr euch über ein Verhütungsmittel informiert, versucht Positives und Negatives zu finden, viel zu recherchieren und euch eure eigene Meinung zu bilden. Sprecht mit eurem Arzt oder eurer Ärztin und lasst euch Zeit mit eurer Entscheidung.

Warum ich überhaupt über etwas so Privates wie Verhütung schreibe? Ich glaube, dass jeder Blogger andere Regeln aufstellt, über was er in seinen Beiträgen sprechen möchte, und was Privatangelegenheit bleibt. Viele ziehen eben bei den Themen Sex, Verhütung und Partnerschaft eine dicke Grenze und beschließen, sich nicht zu äußern – was natürlich auch absolut okay und verständlich ist. Mich erreichen allerdings jede Woche Nachrichten von verzweifelten Mädels, die nach Jahren mit hormoneller Verhütung unzufrieden sind und nicht wissen, für welche Alternative sie sich entscheiden sollen. Andere Mädels haben die Pille bereits abgesetzt und leiden nun sehr unter der hormonellen Umstellung und dem Chaos in ihrem Körper. Ich weiß selbst, wie mühsam und frustrierend die Umstellung von einer hormonellen Verhütung auf eine Hormonfreie sein kann und dass man oft das Gefühl hat, mit seine Problemen allein zu sein. Aus dem Grund habe ich mich dazu entschlossen, offen über meinen Weg zu sprechen. Außerdem finde ich, dass Sex viel weniger tabuisiert werden sollte und es unsere Gesellschaft weiterbringen würde, wenn man offener über solche Themen sprechen könnte. Es ist etwas Normales und Menschliches und auch, wenn es natürlich jedem selber überlassen bleibt, wie viel er preisgibt, stehe ich für mehr Offenheit.

Meine Geschichte

Vor 3 Jahren habe ich mir den Gedanken in den Kopf gesetzt, dass ich meinem Körper keine Hormone mehr zuführen möchte. Das war in der Zeit, in der ich begonnen hatte, mich bewusster zu ernähren, mehr Sport zu machen und mehr auf mich zu achten. Meinen Körper mit Hormonen vollzupumpen und so einen künstlichen Zyklus zu erzeugen, während ich versuchte, so gesund wie möglich zu leben, kam mir falsch vor. Dazu kam auch noch, dass ich meinen Körper nie hormonfrei „erlebt“ hatte, seit ich sexuell aktiv war. Ich wusste nicht, in welchem Ausmaß die Pille meine Libido beeinflusste und welche Auswirkungen Hormone auf mein Sexleben hatten. (Spoiler alert: eine große Auswirkung!). Nach Absprache mit meiner Ärztin setzte ich also die Pille ab und entschied mich dafür, meinem Körper erst mal Zeit zu geben, um sich zu „erholen“, bevor ich mir Gedanken darum machte, wie ich am besten dauerhaft hormonfrei verhüten könnte.

Das Jahr danach

Nach dem Absetzen hatte ich mit typischen Symptomen wie leichtem Haarausfall zu kämpfen, aber allgemein ging es mir besser. Ich war weniger müde und schlapp, hatte eine bessere Stimmungslage, meine Libido war nicht mehr im Keller und die Wassereinlagerungen verabschiedeten sich. Glücklicherweise verschlechterte sich mein Hautbild kaum, was aber daran liegt, dass ich von Natur aus eine relativ reine Haut habe. Ich weiß aber, dass viele nach dem Absetzen mit schlechter Haut zu kämpfen haben und verstehe, wie belastend das sein kann. Solltet ihr ebenfalls davon betroffen sein, kann ich euch empfehlen, auf Youtube nach Erfahrungsberichten und Tipps zu suchen – da findet man wirklich so einiges.

Das Einzige, was sich sehr lange nicht einpendelte, waren meine Tage. Mich beunruhigte das aber nicht weiter, da ich von vielen Seiten gehört hatte, dass es Monate dauern kann, bis wieder ein regelmäßiger Zyklus entsteht. Meine Frauenärztin sah das leider etwas anders und meinte, dass es nicht normal sei, dass ich meine Tage nach einem Jahr immer noch nicht hatte und äußerte die Vermutung auf das PCO-Syndrom. Was genau das ist, werde ich jetzt nicht erklären, da es den Rahmen sprengen würde, aber wenn es euch interessiert, könnt ihr euch ja online einlesen. Auf jeden Fall drängte meine Ärztin mich praktisch dazu, wieder mit der Pille zu beginnen und ich war mehr als verunsichert. Ich hatte Angst vor den Folgen und vor dem Hormonchaos, das ich meinem Körper unweigerlich zumuten würde. Zum heutigen Zeitpunkt weiß ich, dass meine damalige Ärztin unrecht hatte und wäre ich wieder in der Situation, würde ich mir auf jeden Fall eine Zweitmeinung einholen. Auch meine jetzige Frauenärztin hat mir in diesem Punkt recht gegeben und hat ausführlich mit mir über die damalige Lage gesprochen. Der wahre Grund, warum ich meine Tage nicht bekommen hatte, war wohl ein Zusammenspiel mehrere Komponenten – Untergewicht, schnelle Gewichtsabnahme, eine Schilddrüsenunterfunktion und natürlich auch das Absetzend der Pille. Meine neue Frauenärztin hat mir versichert, dass es absolut normal ist, unter diesen Umständen keinen geregelten Zyklus zu haben. Damals war ich leider nicht so gut informiert und habe mich dazu überreden lassen, wieder die Pille zu nehmen. Ich habe daraufhin in 3-4 Monaten 7kg zugenommen und habe mich schlechter gefühlt, als jemals zuvor. Mein Körper hat gegen mich gearbeitet und ich war so unglücklich über meinen Zustand. Die Antwort meiner damaligen Ärztin auf meine Verzweiflung war: „Probiers’ mal mit einer anderen Pille.“ Ein letztes Mal bin ich ihrem Rat gefolgt, habe aber nach kurzer Zeit, als alles noch schlimmer wurde, beschlossen, die Pille für immer zu verbannen. Ich habe von einem auf den anderen Tag aufgehört und dieses Kapitel endgültig geschlossen.

Ein weiteres Jahr

Ein Jahr und 4 Monate nach dem ersten Absetzen war ich also erneut hormonfrei und schwor mir, nie mehr die Pille anzurühren. Wie zuvor wollte ich auch diesmal meinem Körper die Zeit geben, in seinen natürlichen Rhythmus zurückzufinden, bevor ich mich für ein permanentes Verhütungsmittel entschied. Allerdings begann ich schon damals, mich zu informieren und suchte auch nach einer neuen Frauenärztin.

Eine der häufigsten Fragen, die ich damals bekommen habe, war: „Wie verhütest du nun? Du bist ja in einer Beziehung!“ Ich weiß, dass es nicht super praktisch ist und Kondome weder zu den sichersten, noch den ökologischsten Verhütungsmitteln zählen, aber im Prinzip ist es eine gute Zwischenlösung – zumindest war es das für mich. Ich wusste, dass es nur für einen gewissen Zeitraum so sein würde und auch mein Freund zu der Zeit akzeptierte es. Trotzdem hat es mich auf Dauer ziemlich gestresst und ich hatte oft im Hinterkopf, dass ich mich unbedingt nach einer besseren Möglichkeit umsehen wollte. Als mein Exfreund und ich uns trennten, war das Thema dauerhafte Verhütung ohnehin mal vom Tisch und ich musste für einige Monate nicht darüber nachdenken. In dieser Zeit hatte mein Körper noch mehr Zeit, um sich zu erholen und in seinen „Ursprungszustand“ zurückzukehren.

Long story short, es dauerte ein Jahr, bis ich meine Tage überhaupt wiederbekam und 1,5 Jahre, bis ich wieder einen regelmäßigen Zyklus hatte. Es war eine lange Zeit, aber ich bin definitiv nicht alleine damit. Viele meiner Freundinnen haben ähnliche Erfahrungen gemacht und es ist absolut normal. Gerade die Tatsache, dass mein Körper so lange gebraucht hat, um sich zu erholen, hat mir gezeigt, was Hormone wirklich mit uns machen. Als sich mein Zyklus endlich eingependelt hatte, war der perfekte Zeitpunkt gekommen, um mir über ein dauerhaftes Verhütungsmittel Gedanken zu machen.

Endlich hormonfrei verhüten?

Bei meinem letzten Frauenarzttermin habe ich mit meiner Ärztin darüber gesprochen, welche Optionen für dauerhafte Verhütung es gibt und welche für mich in Frage kommen würden. Im Endeffekt habe ich mich für die Kupferspirale entschieden und hatte dann etwa 1 Monate später endlich den Termin zum Einsetzen. Meine Ärztin hatte mir auch eine Hormonspirale vorgeschlagen, was für mich aber nicht in Frage kam. Zwar wird argumentiert, dass die Hormone nur lokal bleiben, aber bei meiner Vorgeschichte wollte ich kein Risiko eingehen und unbedingt hormonfrei verhüten. Selbst, wenn nur 1 von 10 oder 1 von 100 Frauen Nebenwirkungen von den Hormonen der Hormonspirale bemerkt, ist mir die Sache suspekt – höhere Sicherheit, weniger Regelschmerzen und weniger starke Tage hin oder her. Ich kann euch nur erneut sagen: für jeden ist ein anderes Verhütungsmittel passend und ich habe in der Angelegenheit komplett aus dem Bauch heraus entschieden. Ob die Kupferspirale auch für euch passt, oder nicht doch eine Hormonspirale oder ein ganz anderes Verhütungsmittel ideal wäre, könnt ihr nur selbst entscheiden (natürlich nach einer ausführlichen Beratung mit eurer Ärztin).

Das Einsetzen der Kupferspirale war wirklich okay und nach wenigen Minuten vorbei. Der kurze Zug war für mich total erträglich und auch danach ging es mir super. In den darauffolgenden Tagen durfte ich alles machen, hatte keine Einschränkungen und nur hin und wieder ein leichtes Ziehen im Bauch wie bei Regelschmerzen. Viele von euch haben mich gefragt, wie es nun mit den „Nebenwirkungen“ der Kupferspirale aussieht, da sie von vielen Seiten gehört hatten, dass man durch die Spirale stärkere Tage und Regelschmerzen bekommen kann. Glücklicherweise ist das bei mir nicht der Fall und ich komme sehr gut mit der Spirale klar. Ich habe leicht stärkere Tage und empfinde die Regelschmerzen als etwas anders, würde aber nicht sagen, dass ich sehr darunter leide. Hier muss ich aber auch dazu sagen, dass ich grundsätzlich eher leichtere Tage habe und meine Periode nie länger als 5 Tage dauert. Solltet ihr unter starken Regelschmerzen leiden oder sehr lang und starke Tage haben, ist die Spirale wohl nicht ideal für euch.

Warum Kupferspirale?

Für mich gab es viele Gründe, die für die Kupferspirale gesprochen haben. Sie ist ein sicheres Verhütungsmittel (Pearl Index 0,9-3), „hält“ 5 Jahre lang, greift nicht in den Hormonhaushalt ein, verändert den Zyklus nicht, hat keine Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit nach der Entfernung und ist einfach und unkompliziert in einer Beziehung. Anders als bei der Pille gibt es keine Faktoren (Antibiotikum, Erbrechen, Durchfall), die die empfängnisverhütende Wirkung beeinträchtigen, man muss nicht jeden Tag zur selben Uhrzeit an die Einnahme einer Tablette denken und pumpt den Körper nicht mit Hormonen voll. Da ich unbedingt hormonfrei verhüten wollte, fielen auch fast alle weiteren gängigen Verhütungsmethoden weg.

Eine Kupferkette kam bei mir nicht in Frage, weil meine Gebärmutterwand zu dünn ist und von einem Kupferball hat meine Frauenärztin abgeraten. Im Prinzip ist die Funktionsweise von den drei Varianten aber ganz gleich und auch die Pearl-Indices unterscheiden sich nur minimal. Eine Goldspirale ist, anders als der Name vermuten lässt, auch eine Kupferspirale, die allerdings einen Goldkern hat. Laut meiner Frauenärztin gibt es keinen Unterschied zwischen der Kupfer- und der Goldspirale. Oftmals wird behauptet, dass Gold eine entzündungshemmende Wirkung hat, was durch Studien aber nicht nachgewiesen werden konnte.

Die natürlichste und am wenigsten invasive Variante wäre natürlich die Kalendermethode gewesen, beziehungsweise eine Kombination aus Kalendermethode und Temperaturmethode. Für mich bietet diese Art der Verhütung aktuell aber zu wenig Sicherheit (Pearl Index bis zu 15, bzw. 20) und da mit 21 Kinder auf keinen Fall in Frage kommen, ist das auch keine Option. Mein Leben ist teilweise sehr chaotisch, ich bin viel unterwegs, oftmals im Stress und kann deshalb nicht darauf vertrauen, dass mein Zyklus wie ein Uhrwerk läuft. Irgendwann mal greife ich vielleicht mal auf diese natürliche Methode zurück, aber im Augenblick bin ich sehr zufrieden mit der Spirale.

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Julia Vogel

Julia Vogel lebt in Wien und arbeitet dort als Bloggerin, Content Creator und Social Media Managerin. Seit über 5 Jahren veröffentlicht sie auf ihrem Blog julesvogel.com und auf Instagram Beiträge zu Selbstliebe, Sport, Ernährung, Sexualität, Reisen und vielem mehr.