In der Kopfschmerzbehandlung werden die Behandlung akuter Kopfschmerzattacken von der vorbeugenden Behandlung unterschieden. Sowohl die Attackentherapie als auch die vorbeugende Behandlung müssen nach Stellen der Kopfschmerzdiagnose spezifisch ausgewählt werden.

Attackenbehandlung

Bei der Migräne und beim Spannungskopfschmerz können freiverkäufliche Schmerzmittel (z.B. Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Ibuprofen, Kombinationspräparate aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Coffein) gut wirksam sein. Sind Analgetika in der Migräneattacke nicht ausreichend wirksam, können Migränemittel (Triptane) eingesetzt werden. In Deutschland sind sieben verschiedene Triptane auf dem Markt erhältlich, sie unterscheiden sich etwas in Wirkdauer, Wirkstärke und Nebenwirkungsprofil. Bei der Übelkeit der Migräne kommen zusätzlich Antiemetika (z.B. Metoclopramid) zum Einsatz. Bei sehr starken Attacken oder ausgeprägter Übelkeit können Triptannasenspray oder Injektionen unter die Haut, die der Patient mit Hilfe eines Autoinjektors selbst vornimmt, vorteilhaft sein. Wichtig ist die frühzeitige Einnahme ausreichend hoch dosierter Akutmedikation zu Anfallsbeginn, dann wird eine bessere Wirkung erreicht. Welche Akutmedikation in welcher Dosierung die beste Wirkung erzielt, muss letztlich ausprobiert werden.

Zur Attackenbehandlung von Spannungskopfschmerzen kann darüber hinaus Pfefferminzöl auf beide Schläfen aufgetragen werden. Beim Clusterkopfschmerz kommen Sauerstoffinhalation und Triptane als Nasenspray oder Injektion unter die Haut zum Einsatz. Für die anderen trigeminoautonomen Kopfschmerzerkrankungen steht keine Attackenbehandlung zur Verfügung.

Kopfschmerz und Psyche

Der Einbezug psychologischer Behandlungsansätze in die Kopfschmertherapie ergibt sich aus dem bio-psycho-sozialen Krankheitsverständnis. Dies berücksichtigt das enge Zusammenspiel zwischen körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren bei der Entstehung und dem Verlauf einer Kopfschmerzerkrankung. So kann die Krankheitsschwere und das Ausmaß der einhergehenden Beeinträchtigungen über den Aufbau günstiger Lebensstilfaktoren und eine Stärkung der Krankheits- und Stressbewältigungsfähigkeit oftmals deutlich gelindert werden.

Vielfach belegt ist die Bedeutung von Stress für die Auslösung und Aufrechterhaltung der häufigsten Kopfschmerzformen Migräne und Kopfschmerz vom Spannungstyp. Dabei scheinen vor allem ungünstige Formen der Stressverarbeitung entscheidend zu sein wie z.B. übermäßiges Grübeln über Belastungen, Rückzugs- und Vermeidungsstrategien sowie eine reduzierte Entspannungsfähigkeit. Auch der Umgang mit der Kopfschmerzerkrankung selbst kann den Krankheitsverlauf entscheidend beeinflussen. Versuchen Betroffene etwa, trotz Beschwerden stets weiter zu „funktionieren“, können die fortschreitende Überlastung und Erschöpfung die Kopfschmerzen verschlimmern (sogenannte „Durchhalter“) und das Risiko eines Medikamentenübergebrauchs erhöhen. Aber auch der Versuch, mögliche Auslöser von Kopfschmerzen stets zu vermeiden, kann selbst zum Stressfaktor werden – und den eigenen Handlungsspielraum zu Kosten der Lebensqualität deutlich einschränken.

Das Risiko der Entstehung einer begleitenden psychischen Erkrankung ist bei von primären Kopfschmerzen Betroffenen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung höher. Am häufigsten sind depressive Erkrankungen und Angst-Störungen. Oftmals ist von einer wechselseitigen Verstärkung von Kopfschmerz- und psychischer Erkrankung auszugehen. So können einerseits die Nicht-Vorhersehbarkeit von Kopfschmerzattacken oder die erlebte Hilflosigkeit im Umgang mit häufigen Schmerzen Ängste auslösen, andererseits kann das mit einer erhöhten Ängstlichkeit einhergehende gesteigerte Anspannungsniveau Kopfschmerzen verstärken. Im Weiteren ist es nachvollziehbar, dass die emotionale Belastung und Beeinträchtigung in der Lebensführung durch häufige Kopfschmerzen (z.B. Wegfall von Freizeitaktivitäten, Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit) das Risiko einer depressiven Entwicklung erhöhen. Depressive Erkrankungen wurden wiederum als bedeutsame Risikofaktoren einer Chronifizierung von Kopfschmerzen identifiziert.

Als wirksame Verfahren in der psychologischen Behandlung von Kopfschmerzen haben sich Entspannungsverfahren, Biofeedback und die kognitive Verhaltenstherapie erwiesen. In Untersuchungen zeigte sich, dass diese psychologischen Verfahren die Häufigkeit der Kopfschmerzen um 30-60 Prozent reduzieren können. Damit sind sie ebenso wirksam wie Medikamente zur vorbeugenden Behandlung Werden psychologische und medizinische Maßnahmen gemeinsam angewendet, wird der beste Behandlungseffekt erzielt.

Häufigen Themen in der psychologischen Mitbehandlung von Migränepatienten

Migränebetroffene weisen eine besondere Art der Informationsverarbeitung auf. Es handelt sich sozusagen um ein „Hochleistungs-Gehirn“, dem es schwer fällt, sich von äußeren Reizen abzuschirmen und das einen hohen Energieverbrauch hat. Entsteht eine Überlastung des Systems, kann es zur Überschreitung der sog. „Migräneschwelle“ kommen (siehe Fassmodell). Viele Patienten kennen Auslöser für ihre Migräneattacken wie wenig Schlaf, das Auslassen von Mahlzeiten oder Stress bzw. zu krasse Wechsel von An- zu Entspannung (sog. Stressabfall-Migräne). Hier kann durch Änderungen des persönlichen Lebensstils ein günstiger Einfluss auf die Zahl der Migräneattacken erreicht werden.

Nicht selten zeichnen sich Migränebetroffene durch eine hohe Pflicht- und Leistungsorientierung aus. Eines der Hauptziele stellt dann die Herstellung einer günstigen Balance zwischen Aktivität und Ruhe bzw. Pflichten und ausgleichenden Aktivitäten dar.

Die Unvorhersagbarkeit von Migräneattacken und der verbundene Ausfall wichtiger Alltagsfunktionen stellt für Betroffene eine besondere Herausforderung dar. Nicht selten entwickeln sich kopfschmerzbezogene Erwartungsängste, beispielsweise im Vorfeld eines wichtigen Ereignisses bei dem man nicht ausfallen will oder einer Situation, die man schon einmal mit Kopfschmerzen in Zusammenhang gebracht hat. Die gedankliche Beschäftigung mit „Versagen“ (z.B. „wenn ich wieder ausfalle verliere ich noch meinen Arbeitsplatz“) löst Angst und körperliche Stressreaktionen aus, was dann im Sinne einer „selbsterfüllenden Prophezeiung“ tatsächlich zur Auslösung von Kopfschmerzen beitragen kann. Der Versuch, die „verlorene Zeit“ durch vermehrte Anstrengung und Überaktivität wieder hereinzuholen kann wiederum die nächste Attacke begünstigen.

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