Was kann Psychoanalyse? Wie arbeitet Psychoanalyse?

Der hohe Grad an Individualisierung und persönlicher Freiheit bringt es mit sich, dass heute viele Menschen an der Diskrepanz leiden, funktionieren zu müssen und zu können, aber nicht in der Lage sind, dauerhafte und befriedigende Beziehungen einzugehen. Psychoanalyse kann diesen Schwierigkeiten begegnen, indem sie einen inneren Prozess in Gang bringt, der dem Analysanden hilft, sich selbst in seinen jeweiligen Beziehungen zu anderen zu verstehen. Ein Verständnis, und mehr noch, ein Erleben der individuellen Beziehungs-, Identitäts- oder Kontaktstörung des Analysanden stellt sich im analytischen Prozess zwischen Analytiker und seinem Patienten behutsam und unausweichlich her. Gelingt der affektive Dialog zwischen beiden, so wird dem Analytiker die Bandbreite der Störung des Patienten erlebbar, da er in sie verwickelt werden will und wird.

Gelingt es in der Folge, diese Verwicklung aus der geschulten Wahrnehmung des Analytikers heraus zu einer Entwicklung umzugestalten, d.h. in der Beziehung mit dem Patienten ihm seine Phantasien über sich und über den Anderen transparenter zu machen, kann die Psychoanalyse eine tief gehende Korrektur fehlgeleiteter Persönlichkeitsentwicklung erreichen. So lässt die analytische Beziehung kindliche Verhaltensmuster als Ausgangspunkte der gestörten Entwicklung aufleben, verbindet sie rückwärts mit den alten Konflikten im Sinne einer Zuordnung, baut aber im gleichen Schritt eine Verbindung in das Hier und Jetzt auf, die es dem Patienten ermöglicht, flexiblere und kreativere Handhabungen seiner Konflikte auszuprobieren. So kann der Analysand zugunsten neuer Lösungen auf alte, ihn einschränkende oder schmerzende Lösungsmuster verzichten.

Die Vielzahl narzisstischer Störungen, die gegenüber den klassisch neurotischen Störungen zuzunehmen scheinen, Essstörungen, Ängste, psychosomatische Störungen und unterschiedliche Beziehungsstörungen lassen sich psychoanalytisch verstehen und bearbeiten. Gesellschaftliche Rollenklischees und veränderte Familienstrukturen erschweren oftmals eine zufriedenstellende Individuation und Sozialisierung. Die Identität wird als brüchig, gespalten oder ausgehöhlt erlebt, die geschlechtliche Identifizierung als unsicher. Im geschützten Rahmen der analytischen Beziehung lassen sich auch frühe Entwicklungsdefizite im Sinne einer Nachreifung und korrektiver Erfahrung behandeln. Bislang abgespaltene oder projizierte, tief ängstigende Anteile können wahrgenommen und schließlich reintegriert werden. Die Grenzbereiche zwischen Neurose und Psychose stellen für die psychoanalytische Behandlungstechnik eine aktuelle Herausforderung dar. Psychoanalyse nimmt so in der Bandbreite unterschiedlichster Krankheitsbilder den bisher gescheiterten Wunsch des Analysanden nach einer befriedigenden Beziehung zum Anderen und zu sich selbst auf und bietet ihm eine neue Chance der Entwicklung.

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